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25. Tage Neuer Musik in Weimar (31. Oktober bis 4. November 2012)
Thema: Avantgarde und Spiritualität
Das Interesse an Spiritualität hat in den letzten Jahren auch im Bereich der Neuen Musik stark zugenommen. Die Palette reicht hierbei von den Einflüssen des Zen-Buddhismus bis hin zu islamischer Mystik. Die Wegbereiter der musikalischen Avantgarde John Cage (100. Geburtstag) und Karlheinz Stockhausen haben immer wieder darauf verwiesen, dass ihr Gesamtwerk religiös zu verstehen sei. Während Stockhausen Musik „als Flugschiff zum Göttlichen“ bezeichnete, betonte Cage, dass sich diese wieder „göttlichen Einflüssen“ öffnen solle.
Wie ist die Situation zu Beginn des 21. Jahrhunderts?
Dem Festival geht es um Traditionslinien, die von Martin Luther bis in die unmittelbare Gegenwart führen. Dabei reiht es sich in die „Reformationsdekade“ ein, deren Themenjahr 2012 der Musik gewidmet ist.
Als „Composer/Performer in Residence“ wurde Michael Vetter (*1943) gewonnen, der Theologie studierte, ehe er die meiste Zeit zwischen 1970 und 1982 als Zen-Mönch in Japan verbrachte. In den 1960er Jahren machte er zunächst als Interpret und Komponist experimenteller Blockflötenmusik von sich reden, wurde von Karlheinz Stockhausen für dessen “Intuitive Musik” entdeckt und entwickelte seit den 1970er Jahren ein systematisches Gebäude musikalischer Konzepte, die er an der Accademia Capraia in Italien weiter vermittelte. Als Meister obertontechnischer und avantgardistischer Vokaltechniken erlangte er internationale Berühmtheit.
Vetter wirkt gleichermaßen als Musiker, Maler und Schriftsteller. Nach seiner “Missa Universalis”, die er 1999 in der Kirche von Hottelstedt zelebrierte, wird er 2012 sein neues Gebetbuch “Missale dei Venti” zum Klingen bringen, in dem es um die “Heiligkeit des Windes” geht. Vetter bezeichnet das Werk als “eine konzertante Meditation über die Transparenz der Klänge”. Bezugnehmend auf das Thema der 25. Tage Neuer Musik gestaltet er einen Zyklus, der sich auf Choräle Martin Luthers bezieht, und den er gemeinsam mit seiner Gesangspartnerin Natascha Nikeprelevic und dem “Ensemble für Intuitive Musik Weimar” zur Uraufführung bringen wird. Er heißt "Sola fide" und geht davon aus, daß die Qualität der Musik sich allein im "Glauben" realisiert. Der Pianist Frank Gutschmidt hat sein Programm “Auf der Suche nach dem Absoluten” überschrieben. Er spielt dabei das vorletzte Werk von John Cage und das letzte von Karlheinz Stockhausen. Außerdem kommt es zur Uraufführung von Paul-Heinz Dittrichs Klaviermusik X (2010), die sich dem berühmten Poem von Stéphane Mallármé "Un Coup de Dés" widmet. Dem Beginn - als "Urform" bezeichnet - ist das Motto unterlegt: "Un coup de Dés jamais n´abolira le Hasard" - "Ein Würfelwurf wird niemals den Zufall auslöschen.” Damit wird zugleich ein poetischer Bezug zum Cage-Jahr hergestellt.
John Cage und seinem Landsmann Christian Wolff ist ein weiteres Konzert des “Ensembles für Intuitive Musik Weimar” gewidmet. Mit Olivier Messiaens “Live du Saint Sacrement” erklingt ein herausragendes Beispiel spiritueller Orgelmusik.
Das Ensemble EMI (Frankreich) gewährt Einblicke in das aktuelle Schaffen von Jacopo Baboni Schilingi, Orjan Sandred, Jacomi Platini und Hans Tutschku. In zwei Konzerten wird die Kooperation mit dem Studio für elektroakustische Musik der Hochschule “Franz Liszt” fortgesetzt, für deren Studenten Harvardprofessor Tutschku einen zweitägigen Kompositionskurs gibt. Im Fürstensaal erklingt dann auch mit Stockhausens “Gesang der Jünglinge” (1956) ein Schlüsselwerk elektronischer geistlicher Musik.
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